Iliopsoas
Muskel besteht eigentlich aus 2 Muskeln: dem Musculus Iliacus und dem
Musculus Psoas Major. Der Psoas Muskel entspringt an der Unterseite der
Lendenwirbel und läuft durch das Becken an die Innenseite des
Oberschenkels. Der Iliacus Muskel entspring an der Darmbeininnenseite
und zieht ebenfalls an die Innenseite des Oberschenkels.
Dieser Artikel ist von Danielle Prohom Olson, einer amerikanischen
Yogalehrerin. Nachdem ich „Bhajan Noam /Yoga Vidya)“ ihn gelesen
hatte, fand ich ihn so wertvoll und wichtig, dass ich ihn sogleich ins
Deutsche übersetzte. Unwesentliches ließ ich dabei weg, einiges aus
eigener Erfahrung ist mit eingeflossen.
Der Musculus PSOAS ist der tiefste Muskel des menschlichen Körpers, der
unser strukturelles Gleichgewicht, die Muskelintegrität, die
Flexibilität, die Kraft, die Beweglichkeit der Gelenke und die
Organfunktionen beeinflusst.
Auf beiden Seiten der Wirbelsäule entspringend, umspannt der PSOAS
seitlich vom 12. Brustwirbel (T12) jeden der 5 Lendenwirbel. Von dort
verläuft es abwärts durch den Unterbauch, das Becken und endet am oberen
Ende des Femur (Oberschenkelknochen
Der PSOAS ist der einzige Muskel, der die Wirbelsäule mit den Beinen
verbindet. Er ist für unsere aufrechte Haltung verantwortlich und
ermöglicht es, unsere Beine beim Gehen anzuheben. Ein gesund
funktionierender PSOAS stabilisiert die Wirbelsäule und, unterstützt vom
Rumpf, bildet er eine Art Ablage für die lebenswichtigen Organe des
Unterbauchs.
Der PSOAS ist durch Faszien mit dem Zwerchfell verbunden, die sowohl den
Atemreflex wie einen Angstreflex auslösen können, denn der Psoas ist
unmittelbar mit dem Reptiliengehirn, dem ältesten Teil des Hirnstamms
und des Rückenmarks, gekoppelt. Schon lange bevor sich Sprache oder die
höhere Organisationskapazität des Cortex entwickelten, hielt das
Reptiliengehirn, das für seinen Überlebensinstinkt bekannt ist, die
essentiellen Kernfunktionen aufrecht.
Unser schnelllebiger moderner Lebensstil (mit ständigem Ansturm von
Adrenalin auf unser sympathisches Nervensystem) bewirkt ein chronisches
Triggern und Straffen des PSOAS und macht uns damit im wörtlichen Sinn
bereit zu rennen oder zu kämpfen. Die Muskelkraft des PSOAS hilft, in
Aktion zu treten oder sich zum Schutz wie ein Ball zusammenzurollen.
Spannen wir ständig, bedingt durch Stress oder Anspannung, den PSOAS an,
kann der Muskel irgendwann eine Vielzahl von schmerzhaften Erkrankungen
wie Rückenschmerzen, Kreuzschmerzen, Ischias, Bandscheibenprobleme,
Spondylose, Skoliose, Hüft-Degeneration, Knieschmerzen,
Menstruationsbeschwerden, Unfruchtbarkeit und Verdauungsproblemen
auslösen.
Ein angespannter PSOAS erzeugt nicht nur strukturelle Probleme, er engt
die Organe ein, übt Druck auf die Nerven aus, hindert den Bewegungsfluss
und beeinträchtigt die Zwerchfellatmung.
In der Tat ist der PSOAS so unmittelbar an den grundlegenden
physikalischen und emotionalen Reaktionen beteiligt, dass ein chronisch
angespannter PSOAS dem Körper kontinuierlich Gefahr signalisiert.
Irgendwann können sich dabei die Nebennieren und das Immunsystem
erschöpfen.
Diese Situation wird durch viele Dinge in unserem modernen Lebensstil
verschärft, von Autositzen zu einengender Kleidung, von Stühlen zu
Schuhen, die unsere Haltung beeinträchtigen, die natürlichen
Bewegungsabläufe verändern und dabei unseren PSOAS verkrampfen.
Der erste Schritt zur Pflege eines gesunden PSOAS ist unnötige
Spannungen und Stress abzubauen. Doch um mit dem PSOAS „zu arbeiten“,
sollte man nicht versuchen, die Muskeln zu kontrollieren. Die Wachheit
aller Sinne zu kultivieren ist die Botschaft. Dies beinhaltet die
bewusste Wahl, Achtsamkeit für seinen Körper zu entwickeln.
Ein entspannter PSOAS ist ein Zeichen von spielerischem und kreativem
Ausdruck. Statt eines verkrampften PSOAS, stets bereit zu rennen oder zu
kämpfen, ist der entspannte und geschmeidige PSOAS bereit, sich zu
dehnen und öffnen, um zu tanzen. In vielen Yoga-Übungen (wie z. B. dem
Baum) können wir die Oberschenkel nicht vollständig nach außen drehen,
solange der PSOAS nicht entspannt ist und eine ständige Enge erzeugt.
Ein gelockerter PSOAS erlaubt es, die Vorderseite der Oberschenkel zu
strecken und die Beine unabhängig vom Becken zu bewegen. Ebenso
ermöglich er ein freies und vollständiges Aufrichten des Rumpfes und ein
Öffnen des Herzens.
Durch Förderung eines gesunden PSOAS können wir wieder lebenswichtige
Energien in unserem Körper entfachen, sobald wir lernen, uns an die
Kräfte des Universums anzubinden. Innerhalb der taoistischen Tradition
wird der PSOAS der Sitz oder der Muskel der Seele genannt, er umgibt den
unteren "Dan Tien", das Hauptenergiezentrum des Körpers. Ein flexibler
und starker PSOAS ermöglicht subtile Energien durch die Knochen,
Muskeln, Nerven und Gelenke fließen zu lassen.
Der PSOAS, von Energie durchströmt, verbindet uns mit der Erde. Wie ein
Erdungskabel verhindert er Schocks und eliminiert Energiestagnation.
Befreit und geerdet kann die Wirbelsäule und der zentrale Energiekanal
(Sushumna) „erwachen“. Wie die Gravitationsströme das Gewicht durch
Knochen, Gewebe und Muskeln in die Erde übertragen, schickt sie die Erde
zurück und die Kräfte fließen in die Beine und in die Wirbelsäule. Sie
energetisieren, koordinieren und beleben die Körperhaltung, die
Bewegungen, den Ausdruck, die Gefühle und Gedanken. Es ist ein
ununterbrochenes Gespräch zwischen dem Selbst, der Erde und dem Kosmos.
Beim nächsten Üben - oder innerlich in einem stillen Moment - lohnt es
sich immer neu darauf zu achten, was der bio-intelligente PSOAS einem zu
erzählen hat.
- Erfahre, wie du deinen PSOS entspannst –
Inneres Bewusstsein, das sich durch Yoga entwickelt, ist das wichtigste
Instrument beim Lernen deinen PSOAS zu entspannen. Und ein entspannter
PSOAS wird dir eine neue Freiheit, Leichtigkeit, und strukturelle
Integrität in die Yoga-Praxis bringen.
Es kann am Anfang noch etwas schwierig sein, sich für die subtilen
Empfindungen im PSOAS zugänglich zu machen. Tief im Körper sitzen viele
Gewohnheitsmuster, vor allem wenn du eine sitzende oder stehende
Tätigkeit ausübst. Um die Gefühle, die mit dem PSOAS tief verbunden
sind, zu erfahren, nähere dich ihm am besten mit ruhiger Aufmerksamkeit,
Geduld und Beharrlichkeit. Bewusstsein ist der beste Schlüssel. Wie eine
Taschenlampe den Inhalt eines dunklen Schranks beleuchtet, kannst du
deine Aufmerksamkeit benutzen, um jede Empfindung in deinem Inneren zu
klären und zu definieren