PSOAS
Konstruktive
Ruheposition
Anstatt zu versuchen, alle Dysbalancen und die gewohnten
Kompensierungen, die sich im Laufe deines Lebens eingeschlichen haben,
sofort zu korrigieren, beginne mit einem einfachen Entspannen des
Psoas in einer Haltung, die konstruktive Ruheposition genannt wird. In
dieser Haltung brauchst du keine Muskelaktivität einzusetzen, um den
PSOAS zu lösen. Alleine die Schwerkraft wird diese Arbeit tun.
Für die konstruktive Ruheposition liege auf dem Rücken, beuge die Knie
bis etwa 90 Grad und platziere deine Füße auf dem Boden in Breite der
Hüften, etwa 30 bis 40 cm vorm Gesäß entfernt. Achte darauf, dass du
nicht zu flach oder zu durchgedrückt im Lendenbereich oder im Nacken
bist. Lege eventuell eine dünne Unterlage unter deinen Kopf. Entspanne
deine Hände und Unterarme auf deiner Brust, auf dem Bauch oder indem
sie seitlich auf dem Boden liegen, wie in Savasana.(Totenhaltung)

In dieser Position verlagere nun dein
Bewusstsein in deine Knochen. Beginne damit, das Gewicht deiner
Knochen, die in Richtung Boden sinken, zu spüren. Beobachte jeden Teil
deines Skeletts, das sich so anfühlen kann, als wäre es in der
Horizontalen aufgehängt. Spüre die Punkte, wo die Muskelspannung
verhindert, dass die Knochen sich an die Schwerkraft hingeben. Sowie
dein PSOAS fortfährt sich zu entspannen, wirst du die Wirkung der
Schwerkraft allmählich auch im ganzen Körper wahrnehmen. Gebe dich
diesem Geschehen hin.
Aktives Rückendehnen
Sobald du gespürt und verstanden hast, wie deine Skelettstellung und
wie innere Empfindungen die Entspannung des PSOAS begleiten, kannst du
dich zur Dehnung deiner Muskeln jetzt aktiv bewegen. Ausgehend von der
konstruktiven Ruheposition, bringe deinen rechten Oberschenkel in
Richtung Brust. Umarme ihn und drücke ihn sanft gegen deinen Rumpf.
Sei achtsam und bewege dabei dein Becken nicht weg vom Boden; das
Becken sollte mit dem Rumpf ausgerichtet bleiben. Spüre in dein
gebeugtes rechtes Hüftgelenk und mache es innerlich weich, das
unterstützt ein freies Bewegen des rechten Oberschenkels.
Aus dieser Position heraus beginne, deinen linken PSOAS zu strecken.
Gehe sehr langsam mit dem linken Fuß weiter weg von den Hüften.
Während die Schenkel sich dehnen, lenke dein Bewusstsein auf die
Vorderseite des linken Hüftgelenks, bemerke jede Spannung des PSOAS.
Sobald du die Dehnung im PSOAS spürst, folge deiner Empfindung den Weg
des Muskels entlang bis zu seinem Ursprung am 12. Brustwirbel,
gegenüber von deinem Sonnengeflecht.
Um die Dehnung zu verstärken, drücke den rechten Oberschenkel gegen
deine Arme, hebe den Unterschenkel an und strecke ihn sanft in
Richtung Decke. Gleichzeitig widerstehe dem Druck des Beines mit
deinen Armen. - Wechsele nach einer Weile die Seiten. Mache jedoch
nicht weiter, wenn du dabei Schmerzen oder Verspannungen im unteren
Rücken erlebst. Stattdessen gehe wieder in die konstruktive
Ruheposition und entspanne dich, so dass die Schwerkraft den PSOAS
lockern kann.
Die ultimative Dehnung

Hervorragend zum Strecken der ist die Tauben-Position, aber für
viele Schüler ist eine modifizierte Tauben-Position (Eka Pada
Rajakapotasana) die beste. Da du bei dieser Position ein Bein nach
vorne streckst und eins nach hinten, während du das Becken stabil
hältst, isolierst du die Dehnung zwischen dem PSOAS und dem ILIACUS,
der mit dem hinteren Bein verbunden ist.
Um in diese Position zu kommen, beginne im Knien auf allen Vieren.
Lege das rechte Knie nun nach vorne auf den Boden zwischen deine
Hände, drehe den rechten Oberschenkel im Hüftgelenk und bringe die
rechte Pobacke in Richtung Boden, ohne diesen zu berühren. Zur
gleichen Zeit strecke dein linkes Bein gerade nach hinten. Stelle
sicher, dass du die Hüften waagerecht zum Boden und rechtwinklig nach
vorne ausgerichtet hast. Falls erforderlich, lege ein Kissen oder eine
Decke unter den rechten Sitzknochen, um das Becken zu unterstützen.
Diese Haltung streckt deinen linken PSOAS.
Während du fortfährst, das linke Bein nach hinten zu strecken,
überprüfe erneut, dass du dein Becken nach vorne ausgerichtet hältst.
Wenn das Becken sich dreht, wirst du die Dehnung des PSOAS verlieren
und du kannst eventuell den unteren Rücken komprimieren oder
überdehnen. Wenn du richtig dehnst, spürst du keine Spannung im
unteren Rücken. Das Lösen und Dehnen sollte da beginnen, wo dein PSOAS
deine Hüfte an der Vorderseite des Gelenks kreuzt. Und du solltest
dabei eine nach oben gerichtete Ausdehnung für die Vorder- und
Rückseite des Rumpfes fühlen. Dein Körper sollte einen
kontinuierlichen Bogen bilden, ohne ein Abknicken.
Sitzende Position
Nun, da du entdeckt hast, wie es sich anfühlt, deinen PSOAS zu dehnen
und zu entspannen, nimm jetzt eine einfache Schneidersitz Haltung ein,
um den richtigen Gebrauch des PSOAS zu beleuchten. Wenn bei dieser
Position ein Knie höher ist als das andere, unterstütze es, indem du
ein zusammengerolltes Handtuch oder eine Decke unter das Knie legst.
Spüre, wo das Gewicht des Rumpfes durch dein Becken hindurch in
Richtung Boden wirkt. Drückt das meiste Gewicht eher hinter oder vor
den Sitzknochen? Wenn du spürst, dass dein Gewicht direkt über den
Knochen ist, verfeinere dein Hinfühlen. Ist das Gewicht mehr auf der
Vorderseite oder auf der Rückseite der Sitzknochen? Hebe deine
Sitzknochen an und ziehen dein Gesäßmuskeln zurück, so dass du, wenn
du dich wieder niederlässt, mehr auf der Vorderseite der Sitzknochen
sitzt. Dies gibt dir eine mühelose und entspannte Basis zur
Unterstützung von Wirbelsäule, Brustkorb und Kopf.
Um das Becken richtig auszurichten, solltest du deine Sitzknochen
erhöhen, indem du ein flach gefaltetes Handtuch oder eine Decken unter
dein Gesäß legst. Wenn du alles beachtet hast, wirst du jetzt auf der
Vorderseite der Sitzknochen sitzen, und deine Knie befinden sich
niedriger als deine Hüftpfannen. Diese Beziehung zwischen Knie und
Hüften ist entscheidend, weil sie in allen Sitzhaltungen erlaubt, den
PSOAS an der Vorderseite der Hüften zu öffnen. Diese Öffnung wiederum
ermöglicht ein Loslassen von Spannungen in den Beinen und im gesamten
Rücken. Da das Gewicht des Körpers durch die Knochen hindurch Richtung
Erde wirkt, kann jetzt im Gegenzug ein subtiles energetisches Gefühl
der Unterstützung durch den Körper aufsteigen.
Wenn dein Becken in einer stabilen Position ist und deine
Skelettstruktur frei und in der richtigen Ausrichtung ist, geschehen
Sitz und Haltung mühelos. Verwende keinerlei Muskelspannung, um dich
aufgerichtet zu halten und ziehe nicht die Schultern nach hinten, um
den Rumpf zu verlängern. Wenn du merkst, dass diese Aufrichtung nicht
ohne Maßnahmen von dir bestehen bleibt, befindet sich dein Gewicht
immer noch hinter den Sitzknochen, oder deine Knie sind immer noch
höher als die Hüftpfannen. Füge mehr Polsterung hinzu, bis du das
Gefühl hast, das es dich unterstützt und du in einer korrekten
Ausrichtung bist .
Wenn du dennoch kein klares Gefühl von Unterstützung verspürst, auch
wenn du richtig ausgerichtet bist, versuche eine leichte
Gewichtsverlagerung nach vorne mit deinen Hüftpfannen, bis du die
Entspannung im Zentrum deines Körpers fühlst. Im ersten Moment mag
dieses Gefühl ein wenig beunruhigend wirken. Du kannst sogar eine
subtile Angst, als wenn du fallen würdest, erleben. Während der PSOAS
sich entspannt, führt dich diese innere Veränderung aus dem bekannten
Gefühl der Kontrolle deiner Aufrichtung durch Muskelspannung zu einem
unbekannten Gefühl des sich Verlassens auf dein Skelett als
Unterstützer. Da es neu ist, kann es sich ein etwas fremd und
unheimlich anfühlen, oder aber du spürst eine angenehme Erleichterung
beim Verschwinden aller unnötigen Muskelkontraktion.
Stehende Entspannung
Die Aufrechterhaltung eines entspannten PSOAS kann in der stehenden
Position eine Herausforderung sein. Das Stehen auf zwei Beinen ist
eine sehr komplexe biomechanische Leistung, und viele von uns haben
ihre gewohnten, aber nicht optimalen Muster an Muskelkontraktionen,
basierend auf der Idee, sich willentlich aufrecht halten zu müssen.
Doch es gibt eine ausgezeichnete Übung, bei der du entdeckst, wie es
sich anfühlt, wenn sich der PSOAS im Stehen entspannt. Nimm einen
Block oder dickes Buch und legen es 30 bis 40 cm von der Wand entfernt
auf den Boden. Stelle dich mit dem linken Fuß auf den Block oder auf
das Buch und stütze dich dabei mit der rechten Hand an der Wand ab.
Lasse das rechte Bein hängen, gib es vollständig frei. Schwinge das
Bein sanft hin und her wie ein Pendel. Gib Acht, dass der Rumpf sich
nicht ausweichend mitbewegt, während du das Bein schwingen lässt.
Schau, ob du die Pendelbewegung tief in deinem Rumpf spüren kannst; es
sollte am oberen Ende des PSOAS beim 12. Brustwirbel beginnen, hinter
deinem Solarplexus.
Nachdem du mit dem Bein für ein paar Minuten geschwungen hast, gehe
vom Block runter und probiere, ob sich deine beiden Beine
unterschiedlich anfühlen. Du hast den PSOAS an der Seite des
schwingenden Beins gelöst, meistens wird sich dieses Bein jetzt
länger, freier und entspannter anfühlen.
Übe das gleiche mit dem anderen Bein. Dieses Mal fokussiere deine
Aufmerksamkeit nicht nur auf das schwingende Bein, sondern auch auf
das Standbein. Überprüfe, ob du dich dabei nicht in die Hüfte des
Standbeins lehnst. Versuche dein Gewicht durch dein Bein und den Fuß
direkt in den Block hinunter wirken zu lassen. Obwohl dieses Bein
jetzt dein Gewicht trägt, kannst du auch hier den PSOAS lösen, indem
du deine Aufmerksamkeit auf die Vorderseite der Hüftpfanne verlagerst
und dabei jede kleine Anspannung registrierst.
Tadasana (Berg-Position)
Probiere es nun mit Tadasana (Berg-Position). Stehe mit deinen Füßen
direkt unter den Hüftpfannen und nimm hier deine Empfindungen wahr.
Fühlt sich dein Becken wie ein stabiles Fundament an? Ist der Rand des
Beckens zum Boden parallel? Du kannst dies in einem Spiegel
überprüfen, oder indem du deine Hände oben auf deine Hüften legst und
überprüfst, ob sich beide Hände auf einer Ebene befinden. Ist das
Gewicht auf beiden Beinen gleich verteilt? Bist du in beiden Füße
gleichermaßen geerdet? Ist das so, dann sollte sich dein PSOAS
entspannt anfühlen, und du kannst spüren, wie die Schwerkraft dein
Gewicht abwärts durch deine Knochen zum Boden hinwirken lässt. Wenn
deine Knochen gut ausgerichtet sind, wirst du ein leichtes Gefühl des
Zurückprallens dieses Gewichts von der Erde fühlen, so wie ein Ball
auf den Boden fällt und wieder hochspringt. Diese Rückschnellkraft
erzeugt einen Strom von Energie, der den Körper ausrichtet und
aufwärts durch die Wirbelsäule und zuletzt durch die Schädeldecke
strömt. Wenn dein Becken sich nicht stabil anfühlt, gehe wieder in
konstruktive Ruheposition und strecke deinen PSOAS in Rückenlage. Nach
ein paar Minuten der Lockerung des PSOAS und der Stabilisierung des
Beckens, kehre zu Tadasana zurück und schaue, ob es sich jetzt besser
Dysbalancen ausbalanciert anfühlt.
Vrksasana (Baum-Haltung)
Sobald im Tadasana dein Gewicht gleichmäßig auf beide Füße verteilt
ist, fokussiere innerlich deine beiden Knöchel an. Verlagere das
Gewicht über deinen Fußgelenke langsam vor und zurück, bis du die
Stelle gefunden hast, wo sich die Gelenke am freiesten anfühlen. In
diesem Moment ist auch der PSOAS am entspanntesten und kann seine
eigentliche Funktion als „Halteseil“ für die Wirbelsäule übernehmen.
Bewege dich nun mit guter Ausrichtung vom Tadasana in die
Baum-Position. Spüre dabei weiterhin die Verbindung zwischen dem
Standbein und der Wirbelsäule, auch wenn du jetzt dein Gewicht jetzt
auf ein Bein verlagern wirst.
Verlagere langsam dein Gewicht, das vorher beide Beine getragen haben,
auf das rechte Bein und nimm dabei die Verbindung zur Wirbelsäule
wahr. Ein häufiger Fehler in dieser Asana ist, dass man das Gewicht an
die Hüfte abgibt, das kann die Bänder überlasten. Stattdessen
balanciere dein Gewicht direkt über den Knochen des Beines, so dass
die Hüftpfanne frei bleibt und der PSOAS sich dabei entspannen kann.
Wenn du dein Gewicht durch das rechte Bein gerade nach unten zum Boden
abgeben kannst, ohne dich in die rechte Hüfte zu sperren oder im
rechten Knie zu blockieren, kannst du damit beginnen, dich zu drehen
und das linke Bein anzuheben. Beginne mit dem Lösen jeglicher Spannung
an der Vorderseite der linken Hüftpfanne, lassen den linken PSOAS los.
Dann drehe erst den Oberschenkel in der linken Hüftpfanne, spanne
etwas die äußeren Rotatoren hinter der Hüfte. Sobald du den
Oberschenkel gedreht hast, hebe das linke Bein an und platziere den
Fuß so hoch wie möglich auf der Innenseite des rechten Oberschenkels.
Stelle wieder sicher, dass du dich nicht in deine rechte Hüfte lehnst.
Bei Bedarf stütze dich mit einer Hand an der Wand oder an einem Stuhl
ab, um das Gleichgewicht zu halten.
Der Psoas und die Arme
Wenn du dich stabil und gut ausgerichtet in Vrksasana fühlst, können
deine Arme mit hinzukommen. So wie du deine Beine unabhängig von
deinem Becken bewegen kannst, sollten die Arme in der Lage sein, sich
unabhängig von den Schultern zu bewegen. Und wie es bei den Beinen
ist, kann diese unabhängige Bewegung nur geschehen, wenn du den PSOAS
entspannst. Um ein Anspannen des PSOAS zu vermeiden, bringe deine
Aufmerksamkeit zum Solarplexus und zur Rückseite des Brustkorbs. Löse
innerlich jede Festigkeit, die du in diesen Bereichen spürst. Ziel ist
es, Brust und Rücken, vor allem zwischen den Schulterblättern, zu
entspannen und zu weiten. Wenn das Gefühl einer Öffnung da ist,
strecke die Arme, drehe sie nach außen und lege deine Handflächen über
dem Kopf zusammen. Wenn du dabei irgendeine Steifigkeit im Bereich des
PSOAS bemerkst, nimm die Arme ein wenig niedriger, bis sich die
Spannung löst. Das Strecken der Arme über den Kopf kann den oberen
PSOAS -Bereich (beim 12. Brustwirbel) herausfordern, und es kann auch
deine Stabilität des Standbeins herausfordern. Um die Leichtigkeit im
Mittelpunkt des Körpers aufrecht zu erhalten, fokussiere deine
Wahrnehmung auf den PSOAS. Fühle, wie dein Gewicht abwärts durch die
Knochen fließt, auch das von deinen Arme, die du über dem Kopf
getreckt hältst.
Wird es dir anstrengend, kehre zur konstruktiven Ruhelage zurück.
Lasse dabei die Arme zunächst seitlich liegen. Nach einigen
Augenblicken, falte deine Arme über deinem Brustkorb. Mit diesem
zusätzlichen Gewicht kommt dein Oberkörper ein noch wenig mehr mit dem
Boden in Berührung; du wirst Entspannung im Rumpf und im oberen Teil
des PSOAS wahrnehmen. Wenn du danach möchtest, kannst du weiter
Vrksasana üben.
