Yoga
- Definition und Erklärung
Dr.Doris Simhofer
https://www.minimed.at/medizinische-themen/bewegungsapparat/yoga-sport/
Der Begriff "Yoga" bedeutet "Vereinigung"
oder "Integration" von Körper und Geist. Yoga-Übungen beinhalten einen
angemessenen Wechsel an Anspannung (Kräftigung und Mobilisierung) und
Entspannung.
Positive Wirkungen hat Yoga unter anderem
auf die Beweglichkeit, Kräftigung der Stützmuskulatur und auf das
allgemeine Wohlbefinden. Kombiniert mit Meditation und Entspannung wirkt
Yoga außerdem positiv bei Stressassoziierten Symptomen, Übergewicht oder
Schmerzsymptomen, wie etwa Rückenbeschwerden oder Migräne. Ein weiterer
Vorzug: Yoga ist für alle Altersgruppen geeignet, eine Einheit dauert
zwischen 60 und 90 Minuten und bietet – mit entsprechendem Fokus – in
jeder Lebenssituation die Möglichkeit, Körper und Geist in Einklang zu
bringen und die Lebensqualität zu verbessern.
Zusammenfassung
Yoga zielt auf eine Vereinigung von Geist und
Körper ab. Dabei kommen Praktiken zum Einsatz, in denen sowohl An-, als
auch Entspannung wichtig ist. Das klassische Yoga besteht aus
Körperübungen, Atemübungen, Ernährungsempfehlungen, innerer Reflexion und
Entspannung. Es kann sich bei verschiedenen Krankheitsbildern wie Asthma,
Bluthochdruck, Rückenproblemen und Übergewicht positiv auswirken. Bei
akuten Bandscheibenbeschwerden oder Erkältungskrankheiten sollte eine
Pause eingelegt werden. Wichtig ist die richtige Anwendung der Übungen, um
das Verletzungsrisiko gering zu halten.
Wie beginnen mit
Yoga?
Ein
spezielles Aufwärmtraining, bei dem Kreislauf und Puls angekurbelt werden,
ist bei Yoga nicht erforderlich. Günstig ist es aber, leichte
Mobilisationsübungen durchzuführen, beispielsweise Schulterkreisen, Fuß-
und Handgelenke zu lockern oder mit einer einfachen Sonnengrußvariation zu
beginnen. Das hat den Vorteil, sich auch mental dem Alltag zu entziehen
und das Augenmerk auf die bewusste Wahrnehmung des Körpers zu lenken. Yoga
ist kein Leistungssport, daher sollte der persönliche Ehrgeiz die
körperlichen Grenzen nicht übersteigen. Bei unrealistisch hoch gesteckten
Zielen und fachlich unzulänglicher Anleitung können Beschwerden im Rücken
und Gelenksbereich entstehen, die jedoch für Yoga untypisch sind. Im
Gegenteil: Yoga kann Muskelkater oder chronische Schmerzen im
Bewegungsapparat lindern, vorausgesetzt, Sie führen die Übungen richtig
aus. Yoga hat, je nach Art der Beschwerden, bereits eine positive Wirkung,
wenn Sie es 1 Mal wöchentlich betreiben. Idealerweise jedoch sollten Sie
die Übungen 3 bis 4 Mal wöchentlich absolvieren und ein Programm erlernen,
das Sie auch alleine zu Hause praktizieren können.
Positive
Auswirkungen von Yoga auf die Gesundheit
Yoga hat unzählige positive Seiten, im
Allgemeinen wirkt es auf Körper und Geist entspannend, mobilisierend,
kräftigend, ausgleichend, durchblutungsfördernd, konzentrationsfördernd,
belebend, ganzheitlich.
Das klassische Yoga
besteht aus 5 Elementen:
Körperübungen (Asana) Atemübungen
(Pranayama) Ernährungsempfehlungen Innere Reflexion und Konzentration
(Meditation) Entspannung.
Gesund werden mit
Yoga
Viele Yogatechniken sind schulmedizinisch in
mehrfacher Hinsicht förderlich und können so ergänzend zur medizinischen
Behandlung auch therapeutisch eingesetzt werden. Bei medizinischen
Diagnosen sollten die Übungen jedoch individuell und von einem Yogalehrer,
mit einer anerkannten therapeutischen Ausbildung, vermittelt werden. Im
medizinischen Sinn ist Yoga ein ergänzender therapeutischer Weg, der vor
allem bei nachstehenden Krankheitsbildern Linderung bringen kann:
Asthma:
Aufgrund der beim Yoga praktizierten
Atemübungen und der Mobilisation von Brustwirbelsäule und Brustkorb wirkt
sich bei Menschen mit Asthmaerkrankungen Yoga positiv aus. Es verändert
das Atemverhalten, die Atmung wird tiefer und langsamer. Das vegetative
Nervensystem wird beruhigt und Ängste gelindert.
Bluthochdruck:
Gezielte Yogaübungen führen auch hier zu
einer positiven Wirkung auf das vegetative Nervensystem. Studien haben
gezeigt, dass vor allem Hatha-Yoga bei hohem Blutdruck (Hypertonie)
bereits nach 4 Wochen zu einer entscheidenden Verbesserung führt. Yoga
wirkt sich zwar nicht auf die Ausdauerleistung aus, doch können
entsprechende Körper- und Atemübungen das Herz-Kreislauf-System auch in
Schwung bringen und die Durchblutung innerer Organe fördern.
Entspannungsübungen unterstützen dabei, das System wieder zu beruhigen.
Stoffwechsel
& Körpergewicht:
Eine Senkung des Blutzuckerspiegels bei
Diabetes ist, gemäß wissenschaftlichen Studien, bereits nach 6 Monaten
möglich. Außerdem hat sich gezeigt, dass Menschen mit Übergewicht bei
regelmäßigem Training an Gewicht verlieren. Einige Yogastile haben zwar
keinen direkten Einfluss auf den Abbau von Fett, doch einzelne dynamische
Yoga-Richtungen (z.B. Ashtanga Yoga) sind bewegungsintensiv und damit auch
als Fitnesstraining zum Fettabbau geeignet.
Kopfschmerzen:
Vor allem die ruhigen Elemente (Meditation,
Atmung, Entspannung) des Yoga wirken sich bei Migräne positiv aus. Meist
gehen chronische Kopfschmerzen mit Muskelverspannungen (vor allem im
Nackenbereich) einher, hier kann Yoga wesentlich zu einer Lockerung der
Muskeln beitragen.
Rückenprobleme
& Gelenksbeschwerden:
Mithilfe korrekt durchgeführter Körperübungen
(Asanas) wird der gesamte Bewegungsapparat gelenkiger und mobiler. Hinzu
kommt, dass Yoga-Übungen Gelenke, Sehnen und Bänder nicht belasten, die
Biegsamkeit jedoch sanft fördern, daher eignet sich Yoga ideal bei
Rückenschmerzen oder Gelenksproblemen. Ziel ist es, überlastete Regionen
(z.B. die Lendenwirbelsäule) zu stützen und zu kräftigen, während weniger
dynamische Regionen gezielt mobilisiert werden (z.B. Hüften)
Die
gesundheitlichen Anwendungen von Yoga
Im Zuge einer Yogatherapie werden klassische
Yoga-Techniken ausgewählt, die individuell auf das Beschwerdebild des
Betroffenen ausgerichtet sind. Diese Techniken umfassen eine Kombination
von Atem-, Bewegungs-, Entspannungs- und Meditationsübungen, also im
Wesentlichen Elemente aus dem traditionellen indischen Yoga. Yoga ist ein
ganzheitliches Gesundheitskonzept, daher werden auch bestimmte Atem- und
Bewegungsübungen ausgewählt, die je nach Lebensalter und Beschwerden
unterschiedlich sein können. Das jeweilige therapeutische Konzept
konzentriert sich jedoch nicht auf die Symptome, sondern behandelt den
Menschen in seiner Ganzheit. So etwa können einzelne klassische
Körperübungen (z.B. Krieger, Brücke, Drehsitz) bei Problemen mit dem
Bewegungsapparat, insbesondere der Wirbelsäule, sinnvoll sein und einen
Teil des individuellen Konzeptes beinhalten. Für andere Betroffene (z.B.
Asthma, Bluthochdruck) kann die richtige Kombination von Atem- und
Entspannungstechniken im Vordergrund eines individuellen Yoga-Konzeptes
stehen, eingebettet jedoch immer in einen ganzheitlichen Ansatz. Korrekt
durchgeführte Yogaübungen sind gut für Bewegung und Haltung. Werden
bestimmte Asanas jedoch falsch ausgeführt, kann das sogar der Wirbelsäule
schaden und Bänder, Muskeln und Sehnen überlasten.
Yoga wirkt sich
auf Körper und Geist aus
Im Wesentlichen hat Yoga zweierlei
Wirkungsweisen:
Physiologische
Wirkung:
Bewegungs- und Atemübungen wirken sich
ausgleichend auf den Körper aus. Die Muskeln werden gekräftigt und
gelockert, Verspannungen lösen sich, Haltungsmuster verändern sich.
Psychische Wirkung:
das vegetative Nervensystem wird mithilfe von
Atem- und Entspannungselementen stimuliert, gezielte Übungen beruhigen und
bringen den Körper wieder in Balance. Wirksam wird dieser Benefit durch
den Ausgleich von Sympathikus und Parasympathikus: diese beiden Anteile
des vegetativen Nervensystems steuern unsere unwillkürlichen Vorgänge im
Körper. Der Parasympathikus senkt u.a. den Herzrhythmus, die Atemfrequenz
und die Ausschüttung von Stresshormonen.
Klassische
Yogarichtungen
Hatha Yoga:Wenn
man im Westen von Yoga spricht, ist üblicherweise der Begriff "Hatha-Yoga"
gemeint. Es verbindet Kraft, Ausdauer und Energie und ist in der
westlichen Welt die am häufigsten praktizierte Yogaart. Im Mittelpunkt
stehen Körper- und Atemübungen. Ziel ist es, individuelle Übungsprogramme
zu erarbeiten, die man auch zu Hause selbständig durchführen kann. Ashtanga-Vinyasa-Yoga: Das Prinzip dieses
dynamischen Yogastils stammt vom Inder Sri Krishna Pattabhi Jois (1915 -
2009). Dabei werden die Körperübungen mit Sprüngen und Bewegungen
verbunden. Dazu wird eine spezielle Atemtechnik vermittelt. Iyengar-Yoga:
Eine Anfang des 20. Jahrhunderts in Indien entwickelte kraftvolle
Art von Yoga, stützt sich auf Körperhaltungen und Atemübungen (Pranayama).
Hinzu kommen bestimmte Hilfsmittel wie Gurte, Bänke, Stühle oder Matten,
die es ermöglichen, bestimmte Asanas leichter durchzuführen und das
Bewusstsein genau auf die aktivierten Körperbereiche zu legen. Die Übungen
müssen besonders korrekt durchgeführt werden. Das kann auch in der Gruppe
erfolgen, soll aber jedem Teilnehmer ermöglichen, an einem individuellen
Programm zu arbeiten. Sivananda-Yoga:
Seit etwa 50 Jahren verbindet diese Yoga-Richtung klassische Asanas mit
Atem- und Entspannungsübungen, sowie mit Meditation und Ernährung.
Grundlage ist eine positive Lebenseinstellung. Sivananda-Yoga fördert die
Gelassenheit, Konzentration, Beweglichkeit, Lebenslust und ist günstig, um
Stresssituationen gewachsen zu sein. Integraler
Yoga: In dieser Richtung werden Übungen für Körperhaltung,
Entspannung, Atemübungen und Meditation (ähnlich wie im Hatha -Yoga)
vereint. Integraler Yoga ist jedoch stärker spirituell als z.B.
Hatha-Yoga, daher liegt der Schwerpunkt stark auf der Kontemplation und
der Meditation.
Kundalini-Yoga:Im
Kundalini-Yoga wird die im Becken und im Bereich der Wirbelsäule ruhende
Energie (Kundalini) angeregt. Mitunter werden Asanas aus dem Hatha-Yoga
und dynamische Bewegungen mit reinigenden Atemübungen verbunden. Eine
Übungsabfolge von etwa 45 Minuten wird mit 15 Minuten Meditation
abgeschlossen. Jnana-Yoga: Diese
Form beschreitet nach der fernöstlichen Philosophie den "Weg des Wissens".
Durch Studium und das Wissen des Lehrers reflektiert der Schüler und
erfährt durch die Meditation Erkenntnis. Karma-Yoga:
Karma-Yoga ist das Yoga des Handelns. Es umfasst keine speziellen Übungen
oder Techniken, sondern ist auf den Geist bzw. wie er uns zum Handeln
anleitet ausgerichtet. Somit ist es eher eine psychologische Lebensschule
als ein körperliches Training. Vermittelt wird vom Lehrer die Fähigkeit,
im Alltag zielgerichtet zu handeln. Sei es beim Umgang mit Menschen oder
bei gängigen Tätigkeiten. Ziel ist es, eine innere Abgeklärtheit zu
erreichen und somit neues Selbstbewusstsein und Gelassenheit. Bhakti-Yoga:
Bhakti-Yoga widmet sich der Hingabe zu Gott, zu einer
Transformation mit dem Göttlichen, dem Respekt alles Lebendigen. Das
wesentlichste Element des Bhakti-Yoga ist daher die Meditation, die auch
in den Alltag integriert werden soll. Die letzten 3 Arten des Yoga sind
vor allem in der indischen Tradition und Lebenskultur stärker verankert.
Gefahren für die
Gesundheit:
Wenn der Körper "Pause" signalisiert Wie für
jede Art von Sport gilt auch bei Yoga: verzichten Sie auf Ihr Programm,
wenn Sie krank sind. Auskurieren ist der sanfte Weg und ist daher auch im
Sinne einer ganzheitlichen körperlichen Betrachtung sinnvoll. Legen Sie
eine Bewegungspause ein bei: Erkältung, Grippe oder anderen akuten oder
fieberhaften Erkrankungen akuten Bandscheibenbeschwerden oder
Gelenksentzündungen: Yoga hilft zwar bei Problemen mit der Wirbelsäule,
bei Bandscheibenschäden können manche Übungen aber auch kontraproduktiv
sein. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob und welche Yogaübungen für Sie
geeignet sind. Ein Verletzungsrisiko gibt es bei richtiger Ausführung der
Übungen und fachlich guter Anleitung des Yogalehrers so gut wie nicht.
Nacken, Rücken und Schultern sind am ehesten Verletzungsrisiken
ausgesetzt, wenn Vorerkrankungen bestehen, die Übungen falsch ausgeführt
werden und der Yogalehrer aus Unwissenheit nicht auf bestehende
gesundheitliche Probleme eingeht. Wichtig ist es daher, den Lehrer z.B.
über mögliche Rückenbeschwerden oder andere Vorerkrankungen im Vorfeld zu
informieren und die persönlichen Grenzen nicht zu überschreiten.