Yoga bei Angst und Panikattacken – mit 3
(Asanas) Übungen
Aufsatz bitte nicht vervielfältigen Text
stammt aus –Homepage:--Yoga-Easy.de--
Angstzustände und Panikattacken sind
schwer auszuhalten. Mit den folgenden drei Asanas kannst du akuten
AngstAttacken aktiv etwas entgegensetzen und Körper und Psyche beruhigen.
Ein Auszug aus dem Buch „Resilient durch Yoga!” von Maria Wolke.
Man könnte die Menschen zu Göttern
machen, nähme man ihnen die Angst.“ Friedrich Schiller
Wenn Sie häufig unter Ängsten leiden oder
sogar die Diagnose Angststörung erhalten haben, werden Sie das obige Zitat
von Herzen nachvollziehen können. Wie viel einfacher und lebenswerter
könnte der Alltag sein, würde einem die Angst nicht ständig seine eng
gesteckten Grenzen aufzeigen. Nur die Angst ist in der Lage, einen
Menschen förmlich erstarren zu lassen und von einem Augenblick zum anderen
handlungsunfähig zu machen
.
Krankhafte Angst ist ein weitverbreitetes
Phänomen. In Deutschland leiden ca. 6,91 Millionen Menschen unter
Angststörungen (Robert Koch Institut, 2004). Ihre Heilung bedarf
geduldiger Einübung neuer Verhaltens- und Reaktionsweisen. Und exakt hier
setzt der Yoga an und bietet eine enorme therapeutische Chance und Stütze.
Er lehrt uns nicht nur Geduld und wertfreie Betrachtung all dessen, was
ist, sondern greift zudem genau in die Mechanismen ein, die den Körper „in
Ruhe“ versetzen (Innes et al., 2005). Gleichzeitig führt Yoga dazu, dass
im Gehirn die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe veranlasst wird, die
starke Emotionen besänftigen. Das folgende Kapitel befasst sich daher mit
der Wirkung des Yoga auf das akute Empfinden der Angst. Wie lässt sich
mittels Yoga das Angstempfinden verändern? Wie hilft Yoga eigentlich gegen
Angst? Und warum?
Yoga-Asana: Den Körper gegen die Angst
ausrichten
Wenn wir Angst haben, verändert sich unsere
Körperhaltung, unsere Mimik und Gestik. Unsere Stimme nimmt eine andere
Stimmlage an und wir bewegen uns anders. Diese beobachtbaren Veränderungen
sind die körperliche Reaktion auf die internen psychischen Prozesse.
Genauso wie die Psyche auf den Körper einwirkt, übt auch das bewusste
Einnehmen einer bestimmten körperlichen Position, wie sie im Yoga geübt
werden, Einfluss auf unser psychisches Befinden aus. Über die bewusste
Ausrichtung unseres Körpers können wir folglich unsere Psyche eigenständig
und gezielt beeinflussen. Bei normaler Angst werden wir wacher und
aktiver. Gerät sie außer Kontrolle, raubt sie uns die Luft zum Atmen und
macht uns handlungs- und reaktionsunfähig. Die Entstehung und die
Entwicklung der Angst bringt deutlich zum Ausdruck, wie hier der Körper
und die Psyche als untrennbare Einheit zusammenwirken.
Angst ist nichts anderes als der körperliche
Hinweis auf eine tatsächliche oder vermutete Gefahr: Das sympathische
Nervensystem ist überaktiv und alle psychophysiologischen Prozesse spielen
verrückt. Wenn wir nun bedenken, dass das längere Halten eines
mobilisierenden Yoga Asana den Sympathikus, der die Angst aufrechterhält,
beruhigt und den Parasympathikus, der sie lindert, aktiviert, sollte die
Haltedauer der Yoga-Asana bei Angst 30 Sekunden nicht unterschreiten.
Längere Haltezeiten der Asana beruhigen das System und geben uns die
Kontrolle über unsere Emotionen zurück. Die Haltedauer ist nur ein Faktor,
der das parasympathische Nervensystem bei akuter Angst aktiviert. Die
beruhigende Wirkung der körperlichen Stellungen des Yoga auf die Psyche
lässt sich ferner über die Druckrezeptoren in der Haut und über die
Förderung der Ausatmung erklären.
Marjarasana – die diagonale Katzenhaltung
Eine Übung, die über Konzentration und
Fokussierung sanft unser Gehirn sowie unser psychisches und körperliches
Gleichgewicht stärkt und die Angst lindern kann, ist das Marjarasana, die
Katzenhaltung. Dieses Asana setzt eine starke Konzentration und
Fokussierung auf ein externes Objekt voraus. Das körperliche Gleichgewicht
kann so besser aufrechterhalten werden. Bei Marjarasana werden zudem zwei
Arten der Yogaübungen verknüpft: Stellungen, die das Gleichgewicht
fördern, sowie Übungen, die den Körper kräftigen und daher anspannen. Zum
einen werden bei Marjarasana über das Finden und das Halten des
körperlichen Gleichgewichts die Aufmerksamkeitsfähigkeit und die Balance
gestärkt, zum anderen lehrt uns diese Übung, dass eine tiefe und
regelmäßige Atmung unangenehme körperliche Zustände lindern kann, und
zwar, indem bewusst dorthin geatmet wird, wo die Angst im Körper
wahrgenommen wird. Diese Erfahrung führt dazu, dass wir im Übungsverlauf
eher bereit werden, unsere innere Anspannung und unsere Angst zu
akzeptieren. Die Verknüpfung der Gleichgewichtsübung mit der Übung,
Unangenehmes zu akzeptieren und zu ertragen, begünstigt unseren Umgang mit
Angst. Die starke körperliche Anspannung verbunden mit starker
Konzentration auf ein externes Objekt lässt uns unsere Angst kurzzeitig
vergessen. Auch die Aspekte An- und Entspannung kommen hier zum Tragen.
Nach dem Auflösen des Asanas empfinden Betroffene durch die zuvor
empfundene starke Anspannung tiefe Entspannung.
Die Katzenhaltung zeigt uns deutlich unsere
körperlichen und psychischen Grenzen auf. Daher bedarf es zu Beginn viel
Geduld. Die Erfahrung jedoch, dass unser Körper sich nach und nach an die
neue Belastung anpasst und verändert, stärkt unser (Selbst-)Vertrauen. Wir
bekommen die Möglichkeit, an uns selbst zu erfahren, dass ein geduldiges
Üben, auch bei akuter Angst, körperliches und psychisches Wachstum
bedingt. Die verbesserte körperliche Koordination im Marjarasana geht
einher mit einer positiven Auswirkung auf die Bereiche unseres Gehirns,
die für Bewusstheit, Kontrolle und Emotionsregulation zuständig sind.
Anleitung:
1. Kommen Sie in den Vierfüßlerstand. Achten
Sie dabei auf einen geraden Rücken. Ihr Blick zeigt nach vorne. Sie atmen
tief und regelmäßig durch die Nase ein und aus. Verbleiben Sie einen
Augenblick in dieser Haltung, spüren Sie die Berührungspunkte zwischen der
Matte und Ihren Handflächen/den Fußrücken.
2. Während Sie weiterhin im Vierfüßlerstand
verweilen, richten Sie Ihren Blick auf ein Objekt im Außen. Haben Sie
einen Fixierungspunkt für sich ausgemacht, bleibt Ihr Blick darauf
gerichtet. Gleichzeitig bringen Sie mit dem nächsten Einatmen Ihren
rechten gestreckten Arm nach vorn. Mit dem wiederum nächsten Einatmen
strecken Sie das linke Bein nach hinten. Ihr Blick ist fest auf das vorher
bestimmte Objekt gerichtet und Ihre gesamte Aufmerksamkeit fokussiert. In
dieser Stellung verweilen Sie nun fünf bis 30 Atemzüge – je nachdem, wie
lange Sie diese Stellung halten können, ohne sich zu überfordern.
3. Nachdem Sie die Katzenhaltung fünf bis 30
Atemzüge lang praktiziert haben, lösen Sie das Asana und kommen mit Ihrem
Gesäß zurück auf die Fersen. Entspannen Sie dabei Ihre Wirbelsäule und
Ihren Kopf. Die Arme bleiben gelöst und nach vorne ausgestreckt auf der
Matte liegen. Diese Position wird als Balasana, die Position des Kindes,
bezeichnet.
Achten Sie bitte darauf, im Balasana Ihren
Hals und Kopfbereich zu entspannen und ggf. die Fäuste als Hilfestellung
unter die Stirn zu legen.
Nach der Praxis der Katzenhaltung dient diese
Haltung der Entspannung des Körpers und dem tiefen Nachspüren der Wirkung
von Marjarasana. Haben Sie das Gefühl, sich nach der Katzenhaltung zur
Genüge erholt zu haben, wiederholen Sie die Übung, wie sie ab Schritt 1
dargestellt ist, mit der jeweils anderen Körperseite.
Sie werden relativ schnell feststellen, dass
dieses Asana körperlich ziemlich fordert.
Versuchen Sie dennoch, so lange, wie es Ihnen
möglich ist, dem Impuls zu wiederstehen, das Asana vorzeitig abzubrechen.
Jede neue Motivation und Entscheidung, im Asana zu verbleiben und die
unangenehme körperliche Anspannung anzunehmen und zu akzeptieren, bildet
einen entgegengesetzten Impuls in unserem Organismus und stärkt die
Fähigkeit, unsere Handlungen und unsere Emotionen zu kontrollieren.
Adho Mukha Svanasana – Herabschauender Hund
Ein weiteres Asana, welches bei akuter Angst
gut angewandt werden kann, da es die Stressreaktion im Körper reduziert,
ist der Herabschauende Hund. Dieses Asana hilft, die Symptome der Angst
vor allem dadurch zu mindern, dass der Ausatemvorgang durch die Position
des Körpers automatisch verstärkt wird. Eine verstärkte Ausatmung hemmt
wiederum den Sympathikus und die von ihm verursachten körperlichen
Symptome der Angst wie Schweißausbrüche, Zittern, erhöhte Herzfrequenz
etc. Länger gehalten (bis zu zwei Minuten), aktiviert er über die
Rezeptoren in der gedehnten Muskulatur ebenfalls das parasympathische
Nervensystem und fördert das Gefühl der körperlichen und psychischen
Entspannung. Die Senkung und Streckung des Rumpfes begünstigt außerdem die
Hirndurchblutung und aktiviert das kleine Herz-Kreislauf-System
(Lungenkreislauf), wodurch unser Gehirn belebt wird. Dieses Asana hilft so
nicht nur, den inneren Stress zu mildern, sondern auch bei
Erschöpfungszuständen, wie sie nach einer Angstattacke auftreten können.
Obwohl Adho Mukha Svanasana die
Hirndurchblutung fördert, ist es auch bei hohem Blutdruck problemlos
anwendbar und ungefährlich.
Ein stark erhöhter emotionaler Stresslevel
und Angst führen neben den bereits genannten Symptomen auch zu muskulären
Verspannungen in den Schultern und im Nacken. Dadurch, dass im Adho Mukha
Svanasana der Ischiasnerv über die Dehnung im Rücken aktiviert wird,
können die Steifheit und die Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, in den
Fußgelenken und Fersen gelindert werden. Die aktive Entspannung der
Halswirbelsäule und die Dehnung des Nackens und der Schultern lindern
zudem stressbedingte Beschwerden in diesen Bereichen. Die angstbedingte
körperliche Anspannung lässt nach. Die umfassende Wirkung wird mit jeder
einzelnen Ausführung intensiver und die Entspannung größer. Am besten
lässt sich die angenehme Wirkung dadurch begreifen, dass wir im
Herabschauenden Hund verbleiben. Abhängig von den körperlichen
Voraussetzungen kann die Haltedauer zwischen 30 Sekunden und mehreren
Minuten variieren.
Anleitung:
1. Kommen Sie in den Vierfüßlerstand. Achten
Sie dabei auf einen geraden Rücken. Ihr Blick zeigt nach vorne. Sie sind
völlig konzentriert und auf Ihren Körper eingestimmt. Sie atmen tief und
regelmäßig durch die Nase ein und aus. Verbleiben Sie einen Augenblick in
dieser Haltung, spüren Sie auch jetzt wieder die Berührungspunkte zwischen
der Matte und Ihren Handflächen/Knien und den Fußrücken. Kommen Sie bei
sich an.
2. Mit dem nächsten Ausatmen pressen Sie nun
Ihre Handflächen fest in den Boden, bringen das Gesäß nach oben und
strecken Ihre Beine, soweit es Ihnen möglich ist. Ihr Blick ist weiterhin
fest nach vorn gerichtet. Nun verlagern Sie den gesamten Körper nach
hinten, sodass das Gesäß den höchsten Punkt des Winkels darstellt.
Gleichzeitig öffnen Sie Ihre Brust und bringen beide Schulterblätter
zusammen.
Entspannen Sie Kopf und Nackenbereich, indem
Sie den Kopf gelöst zwischen den Ellbogen hängen lassen.
Achten Sie während des Adho Mukha Svanasana
darauf, Ihren Nacken nicht zu verspannen. Das kann in dieser Stellung
leicht passieren, da wir gerade zu Beginn der Praxis dazu neigen, Kopf und
Nacken nicht „loszulassen“ und nach vorn zu heben, um zu schauen. Dabei
ist es in dieser Stellung wesentlich, aktiv den oberen Rücken und die
Halswirbelsäule zu entspannen und den Kopf vornüber locker hängen zu
lassen. Nur so kann sich die erwünschte körperliche und psychische
Entspannung einstellen.
3. Verweilen Sie nun fünf bis 30 Atemzüge in
dieser Haltung. Atmen Sie dabei fortgehend tief durch die Nase ein und
tief und langsam durch die Nase wieder aus.
Ist die Übung beendet, entspannen Sie Ihren
Körper in der Position des Kindes (Balasana) und spüren Sie den Wirkungen
des Asana auf den Körper und die Psyche nach.
Fällt Ihnen das Verbleiben im Herabschauenden
Hund leicht, ist es empfehlenswert, das Asana bis zu zwei Minuten zu
halten und den Effekt auf das parasympathische Nervensystem zu maximieren.
Gerade der Herabschauende Hund kann zu Beginn
Probleme bereiten. Ist der Körper an diese Belastung nicht gewöhnt, fällt
es schwer, in dieser Stellung zu entspannen und sie auszuhalten.
Wiederholen wir diese Übung aber regelmäßig, passt sich unser Körper an
die Belastung an und ein körperliches Wohlgefühl, einhergehend mit einer
tiefen psychischen Entspannung, stellt sich ein. Zudem kommt es im
Übungsverlauf dazu, dass wir das positive körperliche und psychische
Empfinden, das uns dieses Asana beschert, mit exakt dieser Übung in
unserem Gehirn verknüpfen. Das bedeutet, dass jede weitere Praxis des Adho
Mukha Svanasana durch diese Verknüpfung schneller zur Entspannung führt.
Die Wirkung dieser Übung auf unseren Körper
und auf das psychische Befinden lässt sich zusätzlich über die Kontrolle
der Atmung steigern. Atmen Sie bei akuter Angst in allen Asana Ujjayi,
wird die entspannende Wirkung jeder einzelnen Yogastellung verstärkt,
sodass die Angst schneller weichen kann.
SOS bei Angst: Atemübung in Adho Mukha
Svanasana
Um das Angstgefühl unmittelbar zu verändern,
bietet sich eine spezifische Form der Aus- und Einatmung in der
AdhoMukha-Svanasana-Haltung an. Diese Übung ist sehr zu empfehlen, wenn
Ihre Angst sich in unkontrollierbare Panik zu steigern droht. Um die
Atemtechnik im Herabschauenden Hund praktizieren zu können, nehmen Sie
bitte die Stellung ein.
Anleitung:
Verbleiben Sie fünf Atemzüge entspannt im
Herabschauenden Hund. Leeren Sie nun mit dem nächsten Ausatmen durch den
Mund stoßweise und maximal Ihre Lunge. Pressen Sie dabei so viel Luft, wie
es Ihnen möglich ist, aus der Lunge aus. Haben Sie die Lunge geleert,
schließen Sie Ihren Mund und Ihre Nase und halten Sie das Vakuum in der
Lunge so lange, wie es für Sie angenehm ist, aufrecht. Wenn der Atemreflex
die Oberhand gewinnt, nehmen Sie einen tiefen Atemzug durch die Nase ein,
sodass sich Ihre Lunge maximal mit Luft füllt. Anschließend atmen Sie
wieder stoßweise, komplett durch den Mund aus und halten das Vakuum in der
Lunge einen Augenblick aufrecht. Diese Art der Atmung wiederholen Sie
bitte dreimal und spüren in der Position des Kindes der Wirkung nach.
Lässt das Angstgefühl nach, kommt es mit
Abnahme der Anspannung oft dazu, dass sich Emotionen lösen. Lassen Sie es
zu! Wenn Tränen kommen, weinen Sie! Sorgen Sie dafür, dass keine
destruktiven (überintensiven) Emotionen ungelebt bleiben. Das Weinen ist
eine gesunde und normale Reaktion, die Anspannungen löst und hilft, wieder
ins Gleichgewicht zu kommen.
Paschimottanasana – die Vorwärtsbeuge
Während meiner Yogalehrerausbildung am
Institut of Yoga Science and Research in Indor (Indien) gehörte die
Vorwärtsbeuge im Sitzen zu unserem täglichen Übungsrepertoire. Die Inder
schwören auf die positiven körperlichen und psychologischen Wirkungen
dieser Stellung. Sie wird aufgrund ihres großen Nutzens auch als
„Prime-Minister-Pose“ bezeichnet und wärmstens empfohlen. Sie soll Energie
und Kraft geben und das persönliche Leistungsvermögen steigern. Auch bei
der Linderung der Angstsymptome bietet diese Stellung in vielerlei
Hinsicht eine optimale Hilfe. Sie hilft uns nicht nur dabei, über den Weg
der Wahrnehmung und Akzeptanz unangenehmer Dehnungsschmerzen lästige
körperliche und psychische Reaktionen auszuhalten, sie lehrt uns ferner,
unsere inneren Anspannungszustände über die Atmung zu kontrollieren und so
positiv zu beeinflussen.
Die Vorwärtsbeuge und ihre Wirkung
Die Vorwärtsbeuge entfaltet ihre Wirkung im
Bauchraum, indem sie den Blutzufluss zu den Organen des Verdauungstraktes
verändert. Nach Auflösung des Asana wird durch die vorangehende
Kompression mehr Blut in den Bauchbereich befördert und ein
Entschlackungseffekt erzielt. Festsitzende Schlacken und Schadstoffe
können aus dem gastrointestinalen Trakt ausgeschwemmt werden. Über diese
sanfte Entgiftung wird die Homöostase im Darm wiederhergestellt. Ein
konstantes Niveau der Darmbakterien steht wiederum mit einer gesunden
Psyche und einer Verringerung von Angstzuständen in Verbindung (Mayer et
al., 2014).
Das Paschimottanasana regt zudem die
Unterleibsorgane an, was dazu führt, dass sich der Testosteronspiegel im
Körper verändert. Testosteron hebt unsere Stimmung. Eine Erhöhung des
Testosteronspiegels im Blut führt zu einer maßgeblichen Verbesserung der
Aufmerksamkeit, des Erinnerungsvermögens und des räumlichen
Vorstellungsvermögens (Broad, 2013) – Funktionen, die bei Angst
beeinträchtigt sind.
Der positive Einfluss der Vorwärtsbeuge durch
die Aktivierung des Nervus vagus regt zudem das Immunsystem an und
aktiviert den Parasympathikus und beruhigt.
Gegenanzeige: Wenn Sie unter schweren
Bandscheibenvorfällen, Verletzungen des Rückens oder Durchfall leiden, ist
dieses Asana für Sie nicht geeignet. In einem solchen Fall praktizieren
Sie bitte die übrigen vorgestellten Asana und verzichten Sie auf die
Vorwärtsbeuge.
Anleitung:
1. Kommen Sie in den Stocksitz. Strecken Sie
dafür Ihren Rücken, bringen Sie Ihre Schultern nach hinten und ziehen Sie
sie etwas runter, sodass Hals und Nackenbereich entspannt sind. Strecken
Sie Ihre Beine wenn möglich komplett durch und bringen Sie die Handflächen
rechts und links neben die Hüfte. Schließen Sie nun einen Augenblick die
Augen und verweilen Sie in dieser Position.
2. Atmen Sie nun tief durch die Nase ein und
bringen Sie beide Arme seitlich und gestreckt nach oben. Achten Sie dabei
darauf, Ihren Nacken nicht zu verspannen und Ihre Schultern unten zu
lassen. Ihr Blick folgt der Bewegung Ihrer Arme und zeigt somit ebenfalls
nach oben.
3. Mit dem nächsten Ausatmen bringen Sie
langsam und bewusst Ihren Oberkörper Richtung Oberschenkel. Sie beginnen
dabei wenn möglich mit dem Unterbauch, gefolgt von der Brust und als
Letztes den Armen und dem Kopf. Ihr Blick folgt während dieser Übung den
Bewegungen der Arme. Da die Arme als Letztes die Oberschenkel erreichen,
wird auch der Kopf ganz zum Schluss auf den Oberschenkeln abgelegt.

Seien Sie unbesorgt: Gerade zur Beginn der
Übung ist es den meisten Yoganeulingen unmöglich, weit in die
Vorwärtsbeuge zu kommen. Dabei ist es völlig ausreichend, nur so weit in
die Beuge zu gehen, wie es Ihre persönlichen Grenzen zulassen und wie es
sich für Sie angenehm anfühlt. Der Körper vergrößert schnell seine
Bewegungsamplitude, also die Ausdehnung der Bewegung, sodass wir uns zügig
an die Belastung anpassen und flexibler werden. Versuchen Sie, solange es
Ihnen gut möglich ist, im Pashimottanasana zu verbleiben und mit jedem
weiteren Ausatmen mit den Händen an den Unterschenkeln noch einen
Zentimeter mehr Richtung Fußspitzen zu gleiten.

4. Haben Sie die Position gefunden, die Sie
länger halten können, bleiben Sie unten und versuchen weiterhin, selbst
wenn der Kopf die Beine berührt, mit jedem Ausatmen die Hände noch etwas
weiter nach vorn und den Kopf noch etwas näher an die Schienbeine zu
bringen. Ist es Ihnen möglich, mit Ihren Händen Ihre Füße zu berühren,
fassen Sie die großen Zehen und ziehen Sie den Oberkörper während des
Ausatmens Richtung Füße.
Haben Sie das Paschimottanasana beendet,
spüren Sie nach und entspannen Sie im Dandasana in der liegenden Position,
dem Shavasana. Verbleiben Sie so lange, wie Sie benötigen, um sich
vollständig zu entspannen. Versuchen Sie, während der gesamten Praxis mit
Ihrer Aufmerksamkeit ganz und gar bei sich zu verweilen.
Seien Sie sich stetig Ihrer Atmung bewusst
und beobachten Sie die Auswirkungen der Atmung auf den Körper. Sie werden
dabei die Erfahrung machen, dass das Ausatmen und das Loslassen die
Dehnung der Muskulatur verstärken. Versuchen Sie, in der Vorwärtsbeuge
nicht zu verkrampfen. Das passiert in dieser Stellung schnell, da der
Dehnungsimpuls im hinteren Oberschenkel als sehr unangenehm bis
schmerzhaft empfunden wird. Da wir auch unangenehme körperliche
Empfindungen instinktiv vermeiden möchten, wird hier bei kurzer
Übungsdauer (unter fünf Atemzügen) durch die Kontraktion des muskulären
Gegenspielers eine weitere Dehnung verhindert.
Die Vorwärtsbeuge ist eine sehr wirkungsvolle
Übung. Sie stärkt das vegetative Nervensystem und lehrt uns über die
Konfrontation mit unangenehmen körperlichen Empfindungen Akzeptanz und
Geduld mit uns selbst und im Umgang mit unserer Angst. Die Wirkung des
Pashimottanasana auf die Angst ist dabei sehr vielschichtig, da hier das
parasympathische Nervensystem auf unterschiedlichen Wegen aktiviert werden
kann. Die positive Wirkung dieser Stellung auf Magen und Darm führt über
die reinigende und Peristaltik fördernde Wirkung des Darmes dazu, dass
sich das innere Milieu der Darmbakterien normalisiert. In der Wissenschaft
ist schon seit langen bekannt, dass „der Bauch dem Kopf beim Denken hilft“
(Kast, 2009). Bringen wir also aktiv unseren Magen-Darm-Trakt in Form,
beeinflusst auch das unser Befinden und die Ausprägung unserer Angst.
Auch innerhalb dieser Übung kann die Wirkung
durch längere Haltezeiten noch verstärkt werden. Atmen wir dabei Ujjayi,
wird sich die Ruhe schnell im Körper ausbreiten und auf die Psyche
übergehen.
Yoga bewirkt ähnliche Veränderungen im
Organismus, wie sie auch bei der Progressiven Muskelrelaxation, der
kognitiven Verhaltenstherapie und einer medikamentösen Behandlung von
Ängsten dokumentiert werden (Kirkwood et al., 2005; Chung et al., 2011).
Der bekannte Murali Doraiswami, Professor für Psychiatrie und
Verhaltensforschung an der Duke University, sagte einmal in einem
Interview: „Wenn es einen Wirkstoff gäbe, der ähnlich positiv und
nebenwirkungsfrei wirken würde wieYoga, wäre es ein Bestseller weltweit“
(Doraiswami, 2013). Je mehr sich die moderne Wissenschaft in die
Untersuchung dessen vertieft, was der Yoga kann, umso mehr wird klar,
welche Chance die Yogapraxis für das menschliche Wohlbefinden, für das
Aufrechterhalten der Gesundheit und für die Linderung psychischer
Störungen wie der Angst bedeuten kann. Trotz seiner intensiven und
weitläufigen Wirkung ist der Yoga keine Alternative zur konventionellen
Behandlung, sondern sollte als therapeutische Stütze angesehen werden, die
zu einer ganzheitlicheren Behandlung bei Angst beiträgt. Der direkte
Einfluss der Yogaübungen auf die als „relativ normal“ empfundene Angst bei
Gesunden und auch auf eine übermächtige, krankhafte Angst bei
angstgestörten Menschen gilt als bewiesen. Noch stärkere und nachhaltigere
Effekte könnten zudem dann auftreten, wenn es zu einer tatsächlichen
gesundheitsrelevanten Verhaltensänderung aus Einsicht und Überzeugung
kommt.